„Entwicklung, Entwicklungsaufgaben, Sozialisation und Identität im Jugendalter“

Professor Klaus Hurrelmann zu Gast an der Goethe-Schule

Schon der griechische Philosoph Sokrates soll geklagt haben, dass es mit der Jugend bergab gehe: „Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte. Die Jugend steht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widerspricht den Eltern und tyrannisiert die Lehrer.“ Dass die Jugend häufig besser ist als der ihr seit Jahrtausenden vorauseilende Ruf, liegt nicht zuletzt an einer erfolgreichen Bewältigung von „Entwicklungsaufgaben“ in der Jugendphase,  die als prägende Zeit der Verarbeitung „innerer und äußerer Realitäten“ zu begreifen ist.

Ziel der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen, so erläuterte der renommierte Jugendforscher Klaus Hurrelmann am Donnerstag, den 23.10.2014, in der Aula der Goethe-Schule auf Einladung des von Herrn Handschuh geleiteten Pädagogik-Grundkurses der Jahrgangsstufe 12,  sei die durch eine aktive Realitätsbewältigung zu erreichende Balance zwischen der eigenen inneren und der äußeren Realität. Schließlich existierten in jeder Kultur Zielprojektionen, die ein Jugendlicher zu erfüllen habe. Manchmal jedoch würden die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters nicht hinreichend gelöst und es entstehe ein großer Entwicklungsdruck. Diese Art von Druck erläuterte  Klaus Hurrelmann schließlich - zum Erstaunen seiner Zuhörer - vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen mit Kriminalität während der Jugendzeit, um dann den in einem Stuhlkreis versammelten Grundkursschülerinnen und –schülern in diesem Zusammenhang die positive Bedeutung von Bezugspersonen für den eigenen Werdegang zu verdeutlichen. Dank seiner lebhaften und mit vielen Erfahrungen ausgeschmückten Rede, seiner authentischen Antworten und seiner Begeisterung für die zahlreichen kompetenten Fragen vieler Goethe-Schülerinnen und –Schüler wird Professor Hurrelmann allen Beteiligten in bester Erinnerung bleiben.

Klaus Hurrelmann lehrt in den Bereichen Gesundheits- und Bildungspolitik. Bis zum Jahre 2009 war er Professor für Bildungsforschung an den Universitäten Essen und Bielefeld, bevor er sich zusätzlich in Forschung und Lehre der Gesundheitsforschung zuwandte. 1994 war er maßgeblich an der Etablierung der ersten deutschen School of Public Health in Bielefeld beteiligt.

 
 

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