Geschichte im Q2-Zusatzkurs

„Eins – scheiße, erklär‘ jetzt mal kurz den Zweiten Weltkrieg!“

Für Schülerinnen und Schüler, die in der Oberstufe keinen Grund- oder Leistungskurs Geschichte wählen, steht in der Q2 ein Zusatzkurs Geschichte auf dem Programm. Dass sich hier nicht geschichtlich Uninteressierte versammeln, wird bei der gemeinsamen Arbeit schnell deutlich. Zuletzt waren die beiden Kurse BRE/OEL im Bonner „Haus der Geschichte“ unterwegs…

Der Würfel wandert herum, hin und wieder wird das Geschichtsbuch oder das Smartphone zu Rate gezogen… „eins – scheiße, erklär‘ jetzt mal kurz den Zweiten Weltkrieg!“ Die Schülerinnen und Schüler des Q2-Zusatzkurses spielen mit Begeisterung ein Würfelspiel, bei dem sie nicht nur Glück brauchen, sondern sich an einzelnen Stationen gegenseitig etwas erklären müssen, um mit ihren Spielfigürchen weiterzukommen. Was war noch mal der Marshallplan? Warum wurde der Warschauer Pakt gegründet und welche Länder gehörten dazu? Dies und noch mehr zur deutschen Geschichte 1945 bis 1990 haben die Schülerinnen und Schüler nicht nur im Unterricht behandelt, sondern auch bei einer professionellen Führung durch’s Bonner „Haus der Geschichte“ anschaulich erklärt bekommen.

Die Führung durch das Museum, die die beiden Zusatzkurse von Herrn Breuer und Frau Ölke gemeinsam besuchten, glich aufgrund der Fülle des Ausgestellten einer Tour de Force. Da war es gut, dass es bereits einiges Wissen gab, an das die Schüler anknüpfen konnten: „Ha, da ist ja die Karte mit den Besatzungszonen, die wir neulich besprochen haben!“ „Wo ist denn dieses Foto von dem Grenzsoldaten, der über den Stacheldraht springt – kann doch nicht sein, dass das hier nicht ist!“ Das ikonographische Foto vom 13. August 1961 hängt natürlich um die Ecke. „Ist der Panzer echt?“ Es geht um einen der Panzer, die am 17. Juni 1953 von den Sowjets eingesetzt wurden, um den Aufstand in der damaligen DDR niederzuschlagen. Und nein, hier handelt es sich im Gegensatz zu vielen anderen Ausstellungsstücken nicht um ein Original, sondern um eine Replik, denn das Original hätte wohl mit seinem Gewicht die Zwischendecke im Museum zum Einsturz gebracht.

Geschichte lebendig und ohne Klausurdruck – diese Möglichkeit bietet der Zusatzkurs. Da wird die Chance genutzt, geschichtliche Grundbildung nachzuholen oder zu vertiefen, das Geschichtsbewusstsein stärker auszuprägen, schließlich will man als Abiturient ja nicht blind ins Erwachsenenleben starten. Ein Vorteil dieses Unterrichts in der Q2: Die Schülerinnen und Schüler haben nun meist den entsprechenden Horizont, um komplexe Themen und Texte zügig zu erfassen, Verknüpfungen mit Gegenwartssituationen können oft mühelos hergestellt werden, das Interesse ist in jedem Fall vorhanden. „Waaas, guck mal, die APO bildete sich, weil die auch damals schon genervt von der ewigen Groko waren!“

Auch Projektarbeit ist aufgrund der freieren Rahmenbedingungen gut möglich, so wurden etwa im Kurs von Frau Ölke ausgehend von den städtischen „Stolpersteinen“ nicht nur Schicksale verfolgter und deportierter Bochumer Juden nachvollzogen, sondern es wurde auch kontrovers über den Sinn und die Grenzen der deutschlandweiten „Stolpersteine“ als Form des NS-Gedenkens diskutiert. Im Kurs von Herrn Breuer widmen sich die Schülerinnen und Schüler aktuell ebenfalls der Bochumer Stadtgeschichte. Zu wichtigen Personen, Ereignissen oder historisch relevanten Orten wird recherchiert und die Ergebnisse in kleinen Videos erklärt. Warum steht im Bermudadreieck eine Bronzestatue? Welche Rolle spielte der alte Nordbahnhof bei der Deportation jüdischer Bewohner Bochums? Welche Geschichte haben die Skulpturen im Eingang der U-Bahn unter der Drehscheibe? Wie hat sich der eigene Stadtteil entwickelt? Dabei verknüpfen die Schülerinnen und Schüler die Überblicksinformationen über die Geschichte aus dem ersten Halbjahr mit dem konkreten Befund vor Ort.

Zurück zum Würfelspiel: „Drei – Mauerfall und Wiedervereinigung. Bitte erklären!“ Dass hiermit auf jeden Fall nur das Ende des Spiels, keinesfalls jedoch das Ende der Geschichte eingeleitet wird, ist am Ende wohl allen Schülerinnen und Schülern klar.

 
 

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